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Wolfersweiler

Eine zusammenhängende Darstellung der Geschichte der Kirchengemeinde Wolfersweiler bereitet Schwierigkeiten. Eine Chronik ist nicht vorhanden. Urkunden, die sich speziell auf das Kirchspiel beziehen, sind relativ späten Datums. Trotzdem soll hier versucht werden, die großen Linien aufzuzeigen. Keinesfalls werden jedoch die interessanten kleinen Einzelheiten, die eine Gemeinschaft dieser Art charakterisieren, zu kurz kommen.
Am Beginn der politischen wie religiösen Entwicklung steht die Errichtung des fränkischen Reiches durch Clodwig nach der Schlacht bei Zülpich im Jahre 496. Das gesamte Land wurde neu geordnet. Die Gaugrafschaftsverfassung der Merowinger schuf geordnete Besitzverhältnisse. In unserer Nähe lagen der Nahegau, der das Gebiet der unteren Nahe bis zum Siesbach umfaßte, der Bliesgau, der bis zur Gemarkungsgrenze Steinberg-Namborn gereicht haben dürfte, der Saargau an der unteren Saar, der über den Hunsrück reichende Trechirgau und der durch das heutige Luxemburg ziehende Bedgau. Eine Grafschaft für unsere Gegend läßt sich nicht nachweisen. Daraus lässt sich schließen, dass das herrschaftslose Land als Waldgebiet Königsgut gewesen ist und deshalb von der Grafschaftsverfassung ausgenommen war. Lange blieb dieser Zustand nicht erhalten. Schenkungen an Edle und besonders an die Kirche schmälerten das Königsgut. So dürfte auch unser Gebiet seinen Herrn gefunden haben. Der Franke Adalbert Grimo erhielt es wahrscheinlich als Schenkung und vermachte es 633 dem Bischof Paulus von Verdun. Zwar ist nur von Tholey mit Kirche, Burg und Zubehör die Rede. Eine Kaiserurkunde von 1156 (Friedrich 1.) bestätigt jedoch der Verduner Bischofskirche ihr Eigentum mit den Worten: "... Wolferivillare cum advocatio et banno et suis pertinetiis, Bemoldum" (Baumholder!). Den Schutz dieser Güter übten als Vögte zunächst die Nahegaugrafen, die Emichonen, aus. Als sie sich später in verschiedene Linien spalteten, erscheinen als Lehensträger die Angehörigen der Linie, die sich nach der Burg Veldenz benannten. Ab 1327 waren sie selbständige Landesherren.

Mit der Übernahme des Gebietes in fränkischen Besitz begann das Werk der Bekehrung an den Landbewohnern, den Pagani, die noch um 600 n. Chr. keltisch sprachen. Nur wenig später entstanden die ältesten Kirchen, darunter auch die Laurentiuskirche in Wolfersweiler, die aber wahrscheinlich an anderer Stelle als die heutige evangelische Kirche stand. Die Überlieferung berichtet von einer Klosterkapelle. Damit die Mönche die Christen zu Gottesdienst und Gebet zusammenrufen konnten, soll Karl der Große der Kapelle eine Glocke geschenkt haben. Einen Hinweis gab die Aufschrift der großen Glocke, die bis zum zweiten Weltkrieg im Turme hing. Sie lautete, aus dem Lateinischen übersetzt, ungefähr:

"Ich, der ich einst durch die fromme Freigebigkeit Karls des Großen gegossen, wurde auf Anordnung des Wolfersweiler Kirchspiels im Mai des Jahres 1826 umgegossen"

Zu jenem Zeitpunkt war die Glocke zersprungen. Eine Rechnung über die Kosten der Umgießung ist im Archiv in Wolfersweiler vorhanden, ebenso der Waagschein. Demnach hatte sie 606 kg Gewicht. Aufgrund ihrer Aufschrift wurde sie im ersten Weltkrieg nicht eingeschmolzen. Ihre beiden kleineren Schwestern gingen jedoch verloren. Um bei den Glocken zu bleiben: Auf die Dreizahl ergänzt wurde das Geläute wieder im Jahre 1931 durch die Firma Rinker in Sinn/Dillkreis. Der zweite Weltkrieg ließ keine mehr im Turm, auch nicht die über eintausend Jahre alte Kaiserglocke. Bis heute ist sie verschollen, also wahrscheinlich eingeschmolzen worden. Das jetzige Geläut stammt aus dem Jahre 1956 und wurde von der Saarlouiser Glockengießerei angefertigt. Es besteht aus drei Bronzeglocken in den Tönen g, a, h. Sie wiegen 700, 500 und 300 kg. So ist mit der Kaiserglocke wohl der letzte Rest einer Erinnerung an die fränkische Frühzeit verloren gegangen.



Aus dem hohen Mittelalter liegen keine gesicherten Angaben über die Wolfersweiler Kirche vor. Aus dem Ostertal ist eine Überlieferung bekannt, wonach die Kirchen in Niederkirchen, Oberkirchen und Wolfersweiler im gleichen Zeitraum von drei Schwestern, Margarete, Katharina und Elisabeth erbaut wurden. Anlass dazu war der Tod ihrer Verlobten in den Kreuzzügen. Welche geschichtliche Tatsache hinter dieser Überlieferung steckt, ist heute nicht mehr auszumachen. Möglicherweise fand ein Neu- oder Umbau statt. Aus dieser Zeit ist wohl der Unterbau des Kirchturmes erhalten. Sein Mauerwerk dürfte aus dem 13. Jahrhundert stammen.

Aufgestockt wurde der Turm im Jahre 1586. Die Jahreszahl ist in das Turmgebälk eingeschnitten. Eine Restaurierung der Kirche war wohl mit dem Umbau verbunden. Etwa zur gleichen Zeit gehörten zur Wolfersweiler Kirche die Kapellen in Steinberg und Walhausen, von denen oft behauptet wird, sie seien im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden. Tatsache ist, dass die Kapelle in Steinberg bereits 1558 baufällig war. Die Kirchenvisitatoren ordneten damals eine Restaurierung an. Zwei Jahre später wurde der Gemeinde aufgegeben, die "Götzen" aus der Kapelle wegzubringen. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um Heiligenbilder oder -statuen aus der Zeit, in der der Ort katholisch war. Schließlich waren, wie an anderer Stelle aufgezeigt wird, seit der Reformation erst rund 30 Jahre vergangen, und alte Glaubensgewohnheiten lassen sich schwerlich innerhalb einer Generation ändern. Rechnungen über eine Restaurierung liegen nicht vor. So hat man die Kapellen wohl aus Gleichgültigkeit oder gar Unmut einfach verfallen lassen. Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges dürfte kaum ein Rest mehr von ihnen vorhanden gewesen sein.

1560 werden jedoch auch die Wolfersweiler ermahnt, dass ihre Götzen "sollen hinweggetan werden. Die Eiserne Krone, so in Wolfersweiler hängt, und die Messgewänder, so noch vorhanden, sollen verkauft werden."

Zwei Jahrhunderte später war die Wolfersweiler Kirche in einem so desolaten Zustand, dass sie völlig erneuert werden musste. Ab 1786 wurden die Arbeiten unter dem Meisenheimer Baudirektor Hellermann ausgeführt. Die feierliche Kirchweih fand am 30.11.1788, dem 1. Advent, statt. Die Baukosten betrugen die stattliche Summe von 7184 Gulden oder 12.212 Goldmark. Nur der Turm blieb stehen. Wesentliche Umbauten, die die Gesamtanlage stark verändert hätten, haben seither nicht mehr stattgefunden.
Zu welchem Zeitpunkt das zur Kirche gehörende Pfarrhaus erstellt worden ist, kann heute nicht mehr nachgewiesen werden. In der ältesten Urkunde der Kirchengemeinde aus dem Jahre 1586, dem Wolfersweiler Pfarr-Weissthum, das leider nur einer Kopie vom 11. Februar 1778 vorliegt, ist als Verhandlungspunkt "zum fünften, wer das Pfarrhaus handhaben, bauen und erhalten soll" aufgeführt. Unter "bauen" verstand man damals die anfallenden Reparaturarbeiten. Das Gebäude war also bereits vorhanden.

Von 1818 bis 1822 benutzte man es als Schule. Damals muss wohl ein neues Pfarrhaus erstellt worden sein, und zwar dort, wo es bis zur Entstehung des neuen Gemeindezentrums stand. Das ursprüngliche Pfarrhaus wurde 1858 zur Scheune umgebaut und diente uns bis zu diesem Jahr als sogenannter "Küstersaal" bei Gemeindeversammlungen und Presbytersitzungen. 1839 war wiederum ein Pfarrhausneubau fällig. Sein letzter Bewohner war Pfarrer Dietrich Spering. Interessant war die Entdeckung eines alten Tiefbrunnens. Bei Planierungsarbeiten zur Anlage des neuen Gemeindezentrums stieß man auf einen vergessenen, zwischen den beiden alten Pfarrhäusern gelegenen Brunnenschacht, der etwa 30 Meter tief bis zur Sohle des Tales reicht. Durch den Ziehbrunnen war die Wasserversorgung des Hübels gesichert. Wir haben uns entschlossen, den Schacht zu erhalten. Er befindet sich im Vorhof zum Gemeindezentrum und ist 1998 restauriert worden

Über den Zeitpunkt des Wechsels der Gemeinde vom katholischen zum neuen evangelischen Bekenntnis gehen die Meinungen auseinander, weil auch hier genauere Angaben fehlen. Des öfteren wird die Jahreszahl 1538 genannt. In diesem Jahr fand die erste Kirchenvisitation statt. Richtiger ist wohl, dass die Reformation durch Ludwig II., Herzog von Zweibrücken, in Wolfersweiler ihren Eingang fand. Ludwig, Sohn des Herzogs Alexander, regierte von 1514 bis 1532 und führte bereits 1523 in seinen Ländern den neuen Glauben ein. Es ist kaum anzunehmen, dass er als "Erstling der Reformation unter den rheinischen Fürsten" das ererbte Veldenzer Gebiet ausschloss. Waren diese Entscheidungen von oben her religiös und politisch auch von großem Belang, so bedeuteten sie doch für einfache Landbevölkerung recht wenig. Auf das überlieferte Festhalten an Sitten und Gebräuchen habe ich bereits hingewiesen. Von 1564 bis 1577 wütete  bei uns die Pest. Unwetter und Hungerjahre trugen dazu bei, alten, zum Teil heidnischen Volksglauben wieder aufleben zu lassen. So mussten die sogenannten Wetter- und Hagelfeiern nach Ostern, Pfingsten und Weihnachten abgeschafft werden. Segenssprüche nach Art der althochdeutschen Zaubersprüche waren im Gebrauch. Den Germanisten mag ein "Segen vor die Blattern" interessieren, den Pfarrer Martin Hoff (ab 1595) überliefert:

Sanct  Anna trug Sanctam Mariam,
Sancta Maria trug den milden Herrn Jesus Christ,
so gewiss als das ist, so weich Blatter wo du bist, im Namen Jesu Christ.

Anschließend war ein Ave Maria, pater noster und "Ich glaube" zu beten.

Wie Luther in Wittenberg und Zwingli und Calvin in der Schweiz mussten die Visitatoren auch in unserem Gebiet die Erfahrung machen, dass die Einführung des neuen Bekenntnisses zunächst eine Veräußerlichung des kirchlichen Lebens mit sich brachte. Das zeigte sich besonders bei kirchlich-familiären Feiern wie Hochzeiten, Kindtaufen und Leichenbegängnissen. Die kirchliche Feier, vorher im Mittelpunkt, trat jetzt in den Hintergrund, ja, sie war nur noch willkommener Anlass zur weltlichen Feier. 1772 musste sich die Zweibrücker Regierung mit der Abstellung von Missbräuchen beschäftigen. Sie ordnete ua. an, dass zu einer Hochzeit nicht mehr als 20 Personen geladen werden sollen, dass das Hochzeitsmahl nur aus einem Imbs (Imbiss) , es sei mittags oder abends, bestehen und damit die ganze Hochzeit beschlossen sein sollte, dass alle Leichen-Imbs gänzlich untersagt sein sollen, ausgenommen Verwandte von weither, dass bei Kindtaufen nur erlaubt sein solle, dem Pfarrer, der über Land "reiset" ein mäßiges Mahl zu geben, dass bei den Toten nicht mehr denn höchstens 4 Personen zur Wache verbleiben sollen.

Gerade die letztgenannte Verordnung lässt den Schluss zu, dass es bei den Totenwachen im größeren Kreis oftmals recht fröhlich zugegangen ist. Auch die Pfarrer bedurften der Ermahnung. Wer die festgesetzte Predigzeit von einer Dreiviertelstunde überschritt, musste für jegliche weiteren 5 Minuten einen Reichstaler bezahlen. Es hat also zweifellos seine Zeit gedauert, bis die Gemeinde das neue Bekenntnis begriffen hatte und mit ihm zu leben bereit war. Unfrieden mit den später zugezogenen römisch-katholischen Gemeindegliedern hat es übrigens nie gegeben. 1883 legten sie sich einen neuen Friedhof an, weil sie eine weitere Beteiligung an den Kosten der Kirchhofsmauer ablehnten. Sie mussten sich damit einverstanden erklären, dass von nun an nicht mehr die Glocken der reformierten Kirche bei ihren Leichenbegängnissen läuteten. Von Zank ist nie die Rede.

Bis zur preußischen Union war das Bekenntnis eindeutig das reformierte auf der Grundlage des Heidelberger Katechismus. Ein altes Exemplar der Kurpfälzischen Kirchenordnung ist noch im Pfarrarchiv vorhanden. Das betont schlichte Innere der Kirche mit dem einfachen Abendmahlstisch hebt den reformierten Charakter hervor. So ist Wolfersweiler heute eine uniierte Gemeinde mit reformierter Tradition.